Unfallversicherung: Arbeitsunfall im Home Office

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Tele- und Home Office-Arbeitsplätze werden mittlerweile immer beliebter. Immer mehr Arbeitgeber ermöglichen nunmehr einzelnen Mitarbeitern ihre Arbeitszeit – zumindest teilweise – im heimischen Arbeitszimmer abzuleisten bzw. zu verbringen. Was aber passiert bei einem Unfall in den eigenen vier Wänden während der Arbeitszeit? Wer sich eingehender mit diesem Thema beschäftigt, wird schnell merken, dass sich die Sachlage mitunter als durchaus kompliziert darstellen kann.

Auf einen Blick – die wichtigsten Infos

  • Gesetzlicher Versicherungsschutz greift auch beim Arbeiten im Home Office.
  • Strikte Trennung zwischen Arbeitsbereich und Privaträumen sollte gegeben sein.
  • Ein Arbeitsunfall wird i.d.R. nur anerkannt, wenn sich der Betroffene im Home Office aufgehalten hat.
  • Der Weg zur Toilette oder Kaffeemaschine ist nicht mitversichert; dies wurde durch ein Gerichtsurteil bestätigt.
  • Es bestehen Sonderregelungen beim Verlassen des Home Office bzw. der Wohnung.
  • Die DGUV ist für den gesetzlichen Versicherungsschutz im Home Office verantwortlich

Grundsätzlich sind Sie als Mitarbeiter eines Unternehmens im Home Office ebenso wie zum Beispiel der Büroangestellte über die DGUV (Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung) versichert. Sollte es dann in der Tat zu einem Arbeitsunfall kommen, kommt diese für Behandlung und entsprechende Rehabilitation auf.

Allerdings muss eindeutig nachgewiesen werden, dass der Unfall auch tatsächlich im Rahmen der beruflichen Tätigkeit passiert ist. Bricht also zum Beispiel der Bürostuhl unter Ihnen zusammen, während Sie relevante Vertriebslisten für Ihren Arbeitgeber bearbeiten, kommt bei einer etwaigen Verletzung in der Regel die entsprechende Versicherung dafür auf. Ist die Sachlage aber nicht so eindeutig, wie im vorliegenden Fall beschrieben, kann es mitunter zu reichlich Komplikationen kommen.

Ort gilt beim Arbeitsunfall als entscheidendes Merkmal

Dabei ist vor allem entscheidend, wo genau es zu dem Arbeitsunfall gekommen ist. Für einen Angestellten, der klassisch im Bürogebäude des jeweiligen Arbeitgebers untergebracht ist und dort seine Arbeit verrichtet, ist auch dann versichert, wenn er während der Arbeitszeit im Bürogebäude unterwegs ist. Ob er sich dabei gerade auf dem Weg zur Toilette oder auch lediglich zur unternehmenseigenen Kaffeemaschine befindet, ist nebensächlich.

Stolpern Sie und verstauchen sich den Fuß, sieht der Gesetzgeber einen solchen Umstand grundsätzlich als Arbeitsunfall an. Selbst in der Mittagspause – beim Gang zum Italiener oder zum Bäcker – greift der gesetzliche Versicherungsschutz bei einem etwaigen Arbeitsunfall vollkommen.

Dass sich diese Situation bei einer Home Office Tätigkeit im eigenen Haus ganz anders darstellt respektive vom Gesetzgeber anders beurteilt wird, hat das Bundessozialgericht (BSG) durch einen entsprechenden Urteilsspruch auch bestätigt. Demnach wurde der Unfallkasse Rheinland-Pfalz Recht gegeben, dass ein Unfall auf dem Weg vom Home Office zur Toilette nicht als Arbeitsunfallzu bewerten sei. Vielmehr handele es sich nach Meinung der Kasseler Richter um einen Unfall im persönlichen Lebensbereich.

Beim Verlassen des Home Office endet der Versicherungsschutz beim Arbeitsunfall nicht immer zwingend

Arbeiten Sie in einem Home Office, kommt dem Unfallort eine weitaus größere Bedeutung zu. Für einen Heimarbeiter bestehen hier ganz andere Grundlagen bzw. Voraussetzungen. Der gesetzliche Unfallschutz endet hier nämlich an der Tür des eigenen Home Office. Dies bedeutet dann, dass Sie weder beim Gang zur Toilette noch beim Holen einer Tasse Kaffee aus der Küche über die DGUV versichert sind.

Trotzdem aber endet der gesetzliche Unfallschutz nicht automatisch ab dem Zeitpunkt, wenn Sie Ihr Home Office verlassen. Denn auch für diesen Umstand gelten Sonderregelungen. Verlassen Sie zum Beispiel Ihr Home Office, um mit dem Auto in die Firma zu fahren, setzt der Unfallschutz der DGUV direkt wieder ein. Allerdings erst ab der Haustür zu Ihrer Wohnung, wie es in den allgemeinen Versicherungsbestimmungen diesbezüglich formuliert ist. Wenn Sie in diesem Fall also noch in Ihren Privaträumen einen Unfall erleiden, sind Sie nicht gesetzlich versichert.

Fazit: Zusätzliche private Unfallversicherung empfehlenswert

Im Klartext heiß das also: Ein Arbeitsunfall gilt dann als gesetzlich versichert, wenn dieser im Home Office bzw. Arbeitszimmer und bei der Ausübung Ihrer Arbeit für den jeweiligen Arbeitgeber passiert. Fällt Ihnen zum Beispiel ein Locher auf den Fuß oder stolpern Sie über ein Computerkabel, sind Sie bei Verletzungen entsprechend gesetzlich versichert.

Verlassen Sie das Arbeitszimmer, erlischt sofort der Versicherungsschutz. Er tritt erst dann wieder in Kraft, wenn Sie das Arbeitszimmer erneut betreten. Bei der Fahrt ins Büro sind Sie dagegen versichert, wenn es zu einem so bezeichneten Wegeunfall kommt. Aber erst ab der eigenen Haustür und nicht auf dem Weg durch die eigenen Privaträume. Mit einer zusätzlich abgeschlossenen privaten Unfallversicherung können Sie diese Lücken allerdings stopfen.

Headerbild: Purestock/Thinkstock

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