Kurzzeitversicherungen zur Wiesn: Sinnvoll?

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Kurzzeitversicherung

„O’zapft is!“ – am 16. September ist es wieder soweit. Um 12 Uhr Ortszeit gibt der traditionelle Anstich den fieberhaft erwarteten Startschuss. Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) zapft das erste Fass im Schottenhammel und München steht für die nächsten 14 Tage Kopf. Zum Münchner Oktoberfest vom 16.09. bis 03.10. zieht es wieder Millionen Gäste in die bayerische Landeshauptstadt. München befindet sich quasi im Ausnahmezustand: Rund sechs Millionen Besucher verzeichnet das größte Volksfest der Welt jedes Jahr.

Wenn viele Menschen ausgelassen an einem Ort feiern, ist das persönliche Schadensrisiko besonders hoch. Zahlreiche Versicherungsgesellschaften bieten zur Wiesen auch in diesem Jahr wieder spezielle Kurzzeitversicherungen an. Unter Experten sind diese dennoch umstritten. Sind Kurzzeitversicherungen nun sinnvoll oder reine Geldschneiderei?

Rund-um-Schutz für die Wiesn

„Das passende Schutzpaket für alle Besucher des Münchener Oktoberfest 2017! Rund-um-Schutz für Wiesn – Kurzentschlossene im 24 Std. Takt.“

So wirbt eine Plattform, die sich auf Kurzzeitversicherungen spezialisiert und sich über die Kooperation mit großen Versicherungsgesellschaften einen Namen gemacht hat. Selbstredend erlischt der Versicherungsschutz außerhalb der Oktoberfest-Saison.

24 Stunden abgesichert auf der Wiesn ist schon für 5,99 Euro zu haben. Wer sich dem Treiben eine Woche hingeben möchte, bezahlt für seine persönliche Kurzzeitversicherung schon 41,93 Euro. Nach Angaben des Anbieters soll dabei unter anderem Folgendes abgesichert sein:

  • Unfälle mit bleibenden Schäden bis zu 50.000 Euro
  • Tödliche Unfälle mit 10.000 Euro
  • Kosmetische Eingriffe in Folge eines Unfalls bis maximal 10.000 Euro

Mitversichert sind ebenso Unfallfolgen, die unter Alkoholeinfluss herbeigeführt worden sind. Bergungskosten und Krankenhauskosten übernimmt der Versicherer jedoch nicht.

Kurzzeitversicherungen: Heillos überteuert

Eine Kurzzeitversicherung für 5,99 Euro pro Tag klingt zunächst günstig, doch bei näherem Hinschauen scheint der Preis sogar absurd. Das Magazin „Versicherungsbote“ hat bereits im vergangenen Jahr Kurzzeitversicherungen unter die Lupe genommen. 5,99 € ergeben auf ein Jahr gerechnet 2186,35 Euro. Verglichen mit den Jahresbeiträgen, die Verbraucher für eine einfache Unfallversicherung zahlen müssen, heillos überteuert. Denn diese wird schon für einen monatlichen Betrag von unter 20 Euro angeboten. Ins gleiche Horn blasen Verbraucherschutz-Portale wie Stiftung Wahrentest.

Versicherungssummen zu gering

Ein weiterer Kritikpunkt sind die niedrigen Versicherungssummen. 50.000 Euro bei bleibenden Schäden – klingt zunächst reichlich. Körperliche Beeinträchtigungen oder beispielsweise Traumata müssen mitunter über mehrere Monate oder Jahre behandelt werden. Nach Rehaaufenthalten folgen nicht selten ambulante Behandlungen. Bis ein Mensch mit Folgeschäden wieder vollständig im Alltag angekommen ist, sind 50.000 Euro längst aufgebraucht.

Fazit

Ob Oktoberfest-Besucher mit einer Kurzzeitversicherung gut beraten sind, bleibt weiterhin umstritten. Zudem sind die Folgekosten für beispielsweise einen verstauchten Knöchel oder einen gebrochenen Arm nicht gedeckt. Darüber hinaus greift in vielen Fällen bereits die einfache Unfallversicherung beziehungsweise die Haftpflicht des Verursachers, sofern er einem anderen Wiesengast versehentlich einen Schaden zugefügt hat.

Titelbild: (c)thinkstock/tichr

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