Auch für Eltern hitzefrei: Arbeit darf unterbrochen werden

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Bei Hitzefrei Arbeit unterbrechen ist für Eltern erlaubt - Finanzvergleich100

Eltern schulpflichtiger Kinder haben es nicht immer einfach: es gilt, Beruf und Ansprüche des Kindes unter einen Hut zu bringen. Eine Betreuung will organisiert sein, der Tagesablauf geregelt. Doch was, wenn aufgrund nicht alltäglicher Umstände ein akuter „Notfall“ eintritt, etwa, weil die Schule hitzefrei ansagt und so kurzfristig keine Beaufsichtigung gefunden werden kann? Damit hier richtig reagiert werden kann, müssen Sie über Ihre Rechte Bescheid wissen. Darf bei Hitzefrei Arbeit verweigert werden?

Das Wichtigste auf einen Blick:

  • Eltern haben ein Recht auf kurzzeitige Freistellung bei Hitzefrei.
  • Dieses gilt vom Unterrichtsschluss bis zum normalen Schulende.
  • Für begrenzte Zeit bleibt auch der Anspruch auf Vergütung erhalten.

Im § 616 BGB ist festgelegt, dass ein Arbeitnehmer für eine begrenzte Zeit sogar den Anspruch auf Vergütung behält, wenn er ohne sein Verschulden seine Dienstleistung nicht erbringen kann. Das bedeutet auch, dass er unter bestimmten Voraussetzungen eben diesen Dienst verweigern kann. Das müssen jedoch begründete Notfälle sein, wie die Erkrankung eines eigenen Kindes, das das 12. Lebensjahr noch nicht vollendet hat. Hier springt sogar die gesetzliche Krankenversicherung für einen Verdienstausfall ein.

Hitzefrei: Arbeit darf ruhen

Daneben gibt es Fälle, in denen zwar die Bezahlung verweigert werden kann, nicht aber eine Freistellung. Sagt eine Schule kurzfristig hitzefrei an, können Eltern oft nicht mehr rechtzeitig reagieren. Denn diese Entscheidungen liegen im Ermessen der Schulleitung, sich darauf vorzubereiten ist nicht immer möglich. Hier kann das Leistungsverweigerungsrecht der Eltern unter bestimmten Voraussetzungen greifen. Bei Hitzefrei Arbeit zu unterbrechen ist also grundsätzlich erlaubt. Ähnlich wie bei der Freistellung wegen Krankheit eines Kindes sind aber ein paar wichtige Eckpunkte zu beachten.

Freistellung – wann und wie lange

Sie als Eltern waren generell so umsichtig, für alle Zeiten außerhalb eines geregelten Unterrichts, also an den Nachmittagen und den Ferien, eine Betreuung für Ihre jüngeren Kinder zu organisieren oder diese durch entsprechende Arbeitszeiten sicher zu stellen. Lässt sich im konkreten Fall dann aber die Betreuung durch Dritte nicht einrichten, kann Ihnen als Arbeitnehmer das Recht zustehen, für den notwendigen Zeitraum selber frei zu nehmen.

Notwendig bedeutet allerdings im Fall von Hitzefrei also, die Zeit vom früheren Unterrichtsschluss bis zum normalen Schulende. Diese Grundsätze gelten aber nicht nur für Hitzefrei. Arbeit darf auch dann für eine kurze Zeitspanne verweigert werden, wenn Blitzeis droht und die Schulleitung die Ansicht vertritt, dass eine Fahrt zu gefährlich wäre, oder Unterricht wegen einer defekten Heizanlage in der Schule ausfällt.

Sicherheit für Sie und Ihr Kind auf der Sonderfahrt

Wichtig ist in diesem Zusammenhang zu wissen, dass die gesetzliche Unfallversicherung bei eventuellen Unfällen bei solchen „Sonderfahrten“ nicht einspringt. Sie ist zu Zahlungen nur verpflichtet, wenn Ihnen auf dem „unmittelbaren Weg“ zwischen Arbeit und Wohnstätte ein Unfall zustößt.

Selbst kleine Umwege wie zum Zweck eines schnellen Einkaufes oder eben um das Kind von der Schule abzuholen, sind von der gesetzlichen Unfallversicherung nicht mehr gedeckt. Damit Sie hier abgesichert sind, empfiehlt es sich, eine private Unfallversicherung abzuschließen, und zwar für Eltern und Kinder.

Wie kann ich meine Ansprüche durchsetzen?

Die meisten Arbeitgeber bringen sicher Verständnis auf, wenn Sie bei akuten Sonderfällen ein paar Stunden frei brauchen. Also auch, wenn Sie wegen Hitzefrei Arbeit unterbrechen müssen. Vielleicht sind sie sogar dabei behilflich, eine praktikable Lösung zu finden. Sollten Sie jedoch trotz aller Bemühungen keine Betreuung Ihres kleinen Kindes einrichten können, dürfen Sie auf Ihrem Recht zur Freistellung bestehen. Prallen hier verschiedene Meinungen aufeinander, können Sie sich, wenn Ihre private Rechtsschutzversicherung das Paket Arbeitsrechtsschutz enthält, anwaltlich beraten lassen und notfalls Ihre Rechte vor Gericht durchsetzen.

Headerbild: ©iStock/SbytovaMN

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