Opferrechtsschutz: Plötzlich im Visier

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Opferrechtsschutz

24. September 1980: Hans Roauer stand direkt neben dem Mülleimer am Eingang zur Wiesen, als die Bombe explodierte. Die Druckwelle erfasste Roauer. Er flog, fiel zu Boden und war ohnmächtig. Als er wieder zu sich kam, erblickte er neben sich den Torso von Gundolf Köhler – dem Attentäter. Arme und große Teile des Gesichts fehlten. Mit den körperlichen und psychischen Folgen kämpft Roauer noch heute. Die Bilder der Verletzten, die Schreie, der Geruch, die Erinnerungen an die schmerzhaften Splitter steuern unentwegt seine Gedanken. Meistens bei Nacht. Da liegt er wach und findet keine Ruhe. Jahrelang hat er um eine Entschädigung von monatlichen 127 Euro kämpfen müssen. Wie vielen Münchnern hat sich das Wiesn-Attentat auch in sein Gedächtnis gebrannt.

Ein mahnendes Beispiel zwar, doch auch bei alltäglichen Auseinandersetzungen können Menschen schnell unfreiwillig zum Opfer werden. Eine Rangelei, der Bierkrug verfehlt sein Ziel und Unbeteiligte sind verletzt. Die Faust erwischt nicht den Kontrahenten, sondern den Schlichter. In Sekundenschnelle geraten Unbeteiligte ins Visier und bleiben mit zum Teil erheblichen Verletzungen zurück. Mit dem Opferrechtsschutz können Betroffene Ansprüche auf Schadenersatz geltend machen.

Opferrechtschutz bei Gewalttaten: Teil der Rechtsschutzversicherung

Der Opferrechtsschutz ist Teil des Leistungsspektrums einer klassischen Rechtsschutzversicherung. Dieser soll Betroffenen dabei helfen, Ansprüche als Nebenläger in einem Strafgerichtsprozess geltend zu machen. Für den Opferrechtsschutz muss kein zusätzlicher Beitrag gezahlt werden. In seinen Musterbedingungen für den Rechtsschutz hat der Gewerkschaftsverband Deutscher Versicherungen (GDV) die Voraussetzungen wie folgt festgehalten. Opfer erhalten Rechtsschutz:

„…als Nebenkläger für eine erhobene öffentliche Klage vor einem deutschen Strafgericht. Voraussetzung ist, dass Sie oder eine mitversicherte Person als Opfer einer Gewaltstraftat verletzt wurden.“ Weitere Details sind in den GDV-Musterbedingungen nachzulesen.

Der Begriff „Verletzung“ ist dabei sehr weit gefasst. Ein Angriff gegen körperliche Unversehrtheit und sexuelle Selbstbestimmung wird ebenso berücksichtigt wie der Eingriff in die persönliche Freiheit. Auch bei Mord und Todschlag können sich Nebenkläger auf den Opferrechtsschutz berufen.

Versicherungsschutz auch als Nebenkläger

Sind Menschen unfreiwillig Opfer von Gewalttaten geworden, haben Sie das Recht Wiedergutmachungen, zum Beispiel in Form von Entschädigungszahlungen, vor Gericht zu erstreiten. Der Betroffene erstattet Anzeige bei der Staatsanwaltschaft. Gibt sie dieser statt und kommt es zu einer öffentlichen Anklage, bekommt das Opfer die Chance, sich als Nebenkläger der Anlage der Staatsanwaltschaft anzuschließen und seine Ansprüche durchzusetzen.

Anders als bei der Privatklage tritt der Beschädigte gegenüber dem Täter nicht als Opfer auf. Eine Maßnahme, um die Folgen der Straftat besser bewältigen zu können. Durch den Opferrechtsschutz sind Nebenkläger gegen die Kosten für einen Anwalt im Ermittlungs- und Klageverfahren versichert.

Eine gute Rechtsschutzversicherung schützt somit auch Menschen, die ohne Selbstverschulden Opfer von Gewalttaten geworden sind und ermöglicht Ihnen, Ansprüche auf Entschädigungszahlungen vor Gericht geltend zu machen. Welche Rechtsschutzversicherung passt zu Ihnen? Lassen Sie sich von unseren Experten beraten.

Titelbild: (c)Thinkstock/Terroa

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