Kritik an der Lebensleistungsrente

0
455
Neuerung beim Rentenantrag? Kritik an der Lebensleistungsrente

Wie bei vielen anderen Veränderungen (auch „Reformen“ genannt) gibt es einen Unterschied zwischen gut gedacht und schlecht gemacht. Die Idee zur Lebensleistungsrente ist entstanden, weil viele langjährige Einzahler in die gesetzliche Rentenversicherung trotz der turnusmäßig versendeten Renteninformation erst beim Rentenantrag und dem darauf folgenden Bescheid feststellten, wie wenig Rente sie wirklich bekommen.

Die wichtigsten Punkte auf einen Blick:

  • Die Lebensleistungsrente soll eine kleine Altersrente über die Grundsicherung im Alter aufstocken.
  • Die Rechnung würden dann aber alle übrigen Rentnerinnen und Renter durch eine Absenkung des Rentenniveaus bezahlen.
  • Kritisiert wird zudem die Aufhebung der bewährten Rentenmathematik durch die Einführung der Lebensleistungsrente.

Diesem Problem widmet sich derzeit die Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles, SPD. Sie möchte mit einer weiteren Neuerung, der sog. Lebensleistungsrente, das bisherige einigermaßen gerechte Konzept der gesetzlichen Rentenversicherung auf den Kopf stellen. In diesem Beitrag werden die Eckpunkte der geplanten Lebensleistungsrente betrachtet, die die Verlässlichkeit der gesetzlichen Rentenversicherung in Wahrheit aushöhlt und ein weiterer Hinweis auf die Notwendigkeit einer zusätzlichen, privaten Altersvorsorge liefert.

Geringverdiener sollen einen Rentenzuschlag bekommen

Der Kern der Idee der Lebensleistungsrente ist durchaus ansehnlich und moralisch auch vertretbar: Rentnerinnen und Rentner, die 40 Jahre lang gearbeitet und Beiträge eingezahlt haben, sollen eine gesetzliche Rente bekommen, die oberhalb der Grundsicherung liegt. Damit möchte die Regierung Einzahlungen belohnen. Allerdings sind damit mehrere Herausforderungen für die Rentenkasse verbunden: Die dadurch entstehenden Defizite sollen auf zwei Säulen ausgeglichen werden. Zum Einen sollen Steuergelder für das „Aufstocken“ des Rentenanspruchs verwendet werden. Andererseits soll ein Teil der Finanzierungslücke laut Presseberichten dadurch geschlossen werden, dass das allgemeine Rentenniveau sinkt.

Damit würde die gefeierte „Lebensleistungsrente“ durch die übrigen Rentnerinnen und Rentner bezahlt werden.

Hauptkritikpunkt: Aufhebung der bewährten Rentenmathematik beim Rentenantrag

Ein weiterer Hauptkritikpunkt befasst sich mit der Durchbrechung eines jahrzehntelang bewährten Prinzips: Jeder eingezahlte Euro wird gleich bewertet und dann in eine abstrakte Währung, die Entgeltpunkte, umgerechnet. Eine einjährige Einzahlung des Rentenbeitrags auf das Durchschnittseinkommen ergibt damit exakt einen Rentenpunkt. Beim Rentenantrag wird aus der Zahl der Entgeltpunkte und dem aktuell geltenden Multiplikator die Rente berechnet. Die Lebensleistungsrente durchbricht dieses System und ist ein weiteres Indiz für die Instabilität des Rentensystems. Wie in vielen anderen Bereichen auch, verliert der Staat damit an Glaubwürdigkeit und verschlechtert schrittweise die Rechtsposition der Menschen.

Denken Sie dabei an die Aufhebung der Steuerfreiheit für bestimmte Formen der Altersvorsorge oder aber auch die oftmals kritisierte Plünderung der Rentenkasse für andere, sozialpolitische Zwecke. Wird die Finanzierung der „Lebensleistungsrente“ auf diese Art politisch akzeptiert, dann können die Schleusen geöffnet werden. Mittelabflüsse aus der Rentenversicherung für alle möglichen Zwecke wären möglich.

Wollen Sie sich also beim Rentenantrag also nicht alleine auf die ohnehin schon schwache gesetzliche Rentenversicherung verlassen? Dann sollten Sie in Sparformen investieren, die langfristig höhere Wertentwicklungschancen und eine höhere Zuverlässigkeit bieten.

Headerbild: ©iStock/gpointstudio

Diese Seite bewerten
Kostenlosen Vergleich anfordern
Teilen
Vorheriger ArtikelWohnen im Alter – Trends und Entwicklungen
Nächster ArtikelZu wenige Menschen haben eine BU-Rente
Ihr Experte für Versicherungen und Finanzen: Sven Salomon sorgt als selbstständiger Versicherungsberater seit mehr als 15 Jahren dafür, dass Menschen sich und ihre Familie optimal absichern können. Als Geschäftsführer verschiedener Unternehmen berät er mittelständische Firmen sowie Privatkunden. Diese Aufgabe ist für ihn mehr als ein Job: Die Versicherungsmaterie ist seine Leidenschaft. Mit Begeisterung hält er sich darum fachlich immer auf dem neuesten Stand.

Keine Kommentare

Kommentieren Sie den Artikel