Pflegereform: Ein guter Schritt – aber private Absicherung bleibt wichtig

0
259
Private Pflegerente trotz Pflegereform? - Finanzvergleich100

Schon am 1. Januar 2015 trat der erste Teil der beschlossenen Pflegereform in Kraft. Ab 2017 folgt mit den neuen Pflegestufen eine weitere Neuerung. Die Pflegereform bietet bessere Leistungen für Pflegebedürftige, Angehörige und Pflegende. Keine Frage, sie ist ein Schritt in die richtige Richtung. Darüber sind sich die Experten größtenteils einig. Sie kritisieren jedoch auch einige Punkte, da das Gesetz unvollständig sowie unflexibel in der Anwendung konzeptioniert ist.

Bei allen guten Ansätzen berücksichtigt diese Pflegereform noch bei Weitem nicht alle Aspekte rund um die Finanzierung der persönlichen Pflege. Ohne private Vorsorge bzw. ohne individuell vereinbarte Pflegerente mit einem privaten Versicherer sind ein Pflegebedürftiger und auch seine Angehörigen demnach noch immer nicht ausreichend abgesichert.

Das Wichtigste auf einen Blick:

  • Pflegereform zeigt gute Ansätze.
  • Weitsicht fehlt: Nachfolgende Generationen werden nicht genügend berücksichtigt.
  • Es kann eine Versorgungslücke entstehen.
  • Private Vorsorge bleibt notwendig.

Im Pflegefall können hohe Kosten auf Sie zukommen

Wie wichtig eine entsprechende private Absicherung ist, belegen aktuelle Zahlen. So steigt die Zahl pflegebedürftiger Menschen, die sich nur eingeschränkt oder gar nicht mehr selbst versorgen können, stetig. Oftmals kommen sie ohne die Hilfe von professionellen Pflegekräfte nicht mehr aus. Im ärgsten Fall ist sogar eine Unterbringung in einem Heim unausweichlich. Damit steigt auch prompt der finanzielle Aufwand, der durchaus Höhen von bis zu 4.000 Euro im Monat erreicht.

Auf die gesetzliche Pflegeversicherung alleine sollten Sie besser nicht vertrauen. Diese zahlt nämlich auch nach der Reform nur eine Basisversorgung von maximal 1.612 Euro pro Monat. Den Rest muss der Betroffene oder die jeweiligen Angehörigen aus eigener Tasche bezahlen. Das ist für die meisten Pflegebedürftigen bzw. Familien nicht zu stemmen. Auch die klassische private Rente allein reicht meist nicht aus. Um diese Versorgungslücke zu schließen respektive zu verkleinern, ist es ebenso ratsam wie wichtig, frühzeitig eine private Pflegeversicherung abzuschließen. Tritt dann tatsächlich ein Pflegefall ein, können Sie mit der ausgezahlten Pflegerente Ihre Familie und sich selbst vor hohen Kosten schützen.

Nachfolgende Generationen werden bei der Pflegereform vernachlässigt

Im Grunde genommen handelt es sich bei der Pflegereform um gleich zwei Gesetze – die sogenannten Pflegestärkungsgesetze 1 und 2. Die am 1. Januar 2015 in Kraft getretene erste Stufe wird dabei über eine Anhebung des Pflegeversicherungsbeitrags um genau 0,3 Prozentpunkte finanziert.

Kenner der Pflegebranche räumen diesbezüglich zwar ein, dass dank dieser Mehreinnahmen von rund 15 Prozent im kurz- bis mittelfristigen Bereich ein Ausgleich im Hinblick auf Personalmangel sowie fehlende Gelder geschaffen wird. Allerdings bezieht sich dies lediglich Doch dies betrifft lediglich derzeitige Pflegebedürftige, vernachlässigt aber die nachfolgenden Generationen. Demnach bleibt die private Vorsorge nach wie vor notwendig.

Neuerungen bei den Pflegestufen ab 2017

Mit der neuen Pflegereform werden zukünftig insbesondere geistige und psychische Einschränkungen stärker berücksichtigt. Dies ist wichtig angesichts der aktuellen Entwicklungen: Die Zahl der Demenzerkrankungen steigt rapide an. Alle 3,2 Sekunden erkrankt ein Mensch an der heimtückischen Krankheit. Jedes Jahr kommen so 40.000 Fälle hinzu, bis 2050 soll sich die Zahl der Patienten möglicherweise verdreifachen.

Durch die Einführung der neuen Pflegegrade anstelle der bisherigen Pflegestufen sollen insbesondere Demenz- und Alzheimerkranke besser versorgt und die Angehörigen unterstützt werden.

Um den Pflegegrad festzulegen, werden zunächst die Einschränkungen in sechs verschiedenen Lebensbereichen, sogenannten Modulen, ermittelt. Diese Module sind:

  1. Mobilität
  2. Kognitive und kommunikative Fähigkeiten
  3. Verhaltensweisen und psychischen Problemlagen
  4. Selbstversorgung
  5. Bewältigung von und selbständiger Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen und Belastungen
  6. Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte

Dabei wird ermittelt, ob die in dem Bereich notwendigen Fähigkeiten noch vorhanden sind und ob damit verbundene Tätigkeiten selbständig, teilweise selbständig oder nur unselbständig ausgeübt werden können. Die verschiedenen Module werden dabei unterschiedlich gewichtet: Mobilität – 10 Prozent, Verhalten/Kognition – 15 Prozent, Selbstversorgung – 40 Prozent, Behandlung/Therapie – 20 Prozent, Alltagsleben – 15 Prozent.

Die in den verschiedenen Modulen erreichten Punkte legen insgesamt den Pflegegrad fest. Es gibt fünf Pflegegrade, die von „geringe Beeinträchtigung“ bis „schwerste Beeinträchtigung mit besonderen Anforderungen“ reichen

Pflegegrad 1: geringe Beeinträchtigung der Selbständigkeit (ab 12,5 bis unter 27 Gesamtpunkte)
Pflegegrad 2: erhebliche Beeinträchtigung der Selbständigkeit (ab 27 bis unter 47,5 Gesamtpunkte)
Pflegegrad 3: schwere Beeinträchtigung der Selbständigkeit (ab 47,5 bis unter 70 Gesamtpunkte)
Pflegegrad 4: schwerste Beeinträchtigung der Selbständigkeit (ab 70 bis unter 90 Gesamtpunkte)
Pflegegrad 5: schwerste Beeinträchtigung der Selbständigkeit mit besonderen Anforderungen an die pflegerische Versorgung (ab 90 bis 100 Gesamtpunkte)

Pflege-Bahr als interessante Alternative

Wenn Sie sich oder Ihre Eltern mit einer entsprechenden Pflegerente absichern möchten, stehen Ihnen grundsätzlich verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung. So können Sie zum Beispiel den staatlich geförderten Pflege-Bahr abschließen. Gerade für Menschen mit Vorerkrankungen stellt diese geförderte Pflegeversicherung eine sinnvolle Alternative dar. Denn im Gegensatz zu der ungeförderten Pflegeversicherung dürfen Antragssteller nicht abgelehnt werden. Allerdings ergibt sich aus diesem Vorteil dann auch wieder der Nachteil, dass es Ihnen im Normalfall nicht möglich ist, die Monatsbeiträge stabil zu halten. Zudem könnten auch die Leistungen entsprechend leiden.

Pflegerente individuell vereinbaren

Entscheiden Sie sich dagegen für eine Pflegerente aus einer ungeförderten privaten Pflegezusatzversicherung, können Sie Ihre individuellen Vorstellungen realisieren. Diese von Lebensversicherungen angebotene Zusatzversicherung sichert Sie dabei durch eine festgelegte Rente – in Abhängigkeit der jeweiligen Pflegestufe – finanziell ab. In der Regel bieten Ihnen die Versicherungen eine monatliche Pflegerente, die zwischen 250 Euro und 3.000 Euro liegt, an.

Dabei können Sie sich frei zwischen einer Einmalzahlung und einer lebenslangen monatlichen Rente entscheiden. Die letztendliche Höhe der Pflegerente ergibt sich aus eben der attestierten Pflegebedürftigkeit und aus dem vereinbarten Betrag. Für die Berechnung der Beitragshöhe sind Ihr Eintrittsalter, Ihr etwaiger Risikozuschlag sowie die Höhe der jeweils gewünschten Rente die entscheidenden Faktoren.

Headerbild: Thinkstock/Creatas/Creatas Images

Diese Seite bewerten
Kostenlosen Vergleich anfordern

Keine Kommentare

Kommentieren Sie den Artikel