Pflegeversicherung

Die Lebenserwartung steigt. Das ist an sich eine sehr positive Entwicklung. Doch mit dem hohen Alter kommen auch zahlreiche Gebrechen. Auch wenn die Menschen immer länger selbstbestimmt und unabhängig leben können – irgendwann sind die meisten doch auf fremde Hilfe angewiesen. Hier kommt die Pflege ins Spiel, entweder in den eigenen vier Wänden oder irgendwann in einem Heim.

Die wichtigsten Punkte auf einen Blick:

  • Es gibt drei gängige Formen der privaten Pflegeversicherung.
  • Die Pflegestufen richten sich nach der Alltagskompetenz.
  • Die gesetzlichen Leistungen decken oft nur das Minimum.
  • Die Kosten für die Pflege sind hoch – Rücklagen werden schnell "aufgefressen".
  • Ein früher Abschluss lohnt sich.
  • Kinder müssen ggf. für den Pflegeunterhalt der Eltern aufkommen.

Immer häufiger muss die nötige Hilfe für ältere Menschen außerhalb der Familie gefunden werden. Schuld daran sind die gesellschaftlichen Veränderungen: Wurden ältere Menschen früher meist in der Familie gepflegt, ist dies heutzutage in vielen Fällen schlicht nicht mehr möglich. Die Kinder oder Enkel wohnen nicht mehr in der unmittelbaren Umgebung oder sind beruflich so eingespannt, dass keine Zeit für die Pflege von Verwandten bleibt.

Die Folge: Der Pflegebedarf steigt. Die Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung kommen diesem Bedarf jedoch nur unzureichend nach. Wenn Sie auch im Alter ein würdiges Leben führen und gut versorgt bleiben wollen, ist eine private Zusatzversicherung eine lohnende Überlegung. Hier gilt es,  so früh wie möglich eine Versicherung abzuschließen, um von den günstigeren Beiträgen in jungen Jahren zu profitieren.

Welche Formen der Pflegeversicherung gibt es?

Bei der privaten Pflegeversicherung unterscheidet man zwischen der Pflegetagegeldversicherung, der Pflegekostenversicherung und der Pflegerentenversicherung.

Der zentrale Unterschied: Die Pflegetagegeldversicherung gewährt im Pflegefall einen fest vereinbarten Tagessatz. Die Pflegekostenversicherung hingegen übernimmt die konkret anfallenden Kosten. Die Pflegerentenversicherung schließlich gewährt eine monatliche Rente. Auch Einmalzahlungen sind je nach Tarif möglich.

Besonders wichtig: Die Leistungen der Pflegeversicherung richten sich nach der Pflegestufe und danach, ob eine ambulante oder stationäre Pflege erforderlich ist.

Wichtige Infos zur Pflegeversicherung und den Pflegestufen

Wie viel Geld Sie bekommen, ist unter anderem abhängig von der Pflegestufe. Diese wird zentral festgelegt.

Übersicht über die Pflegestufen:

  • Die Pflegestufe wird von der gesetzlichen Pflegekasse festgelegt.
  • Es können die Pflegestufen 0, 1, 2 und 3 unterschieden werden.
  • Pflegestufe 0 steht für eingeschränkte Alltagskompetenz, z.B. bei Demenz.
  • Pflegestufe 1: Durchschnittlicher täglicher Pflegebedarf 90 Minuten
  • Pflegestufe 2: Durchschnittlicher täglicher Pflegebedarf 180 Minuten
  • Pflegestufe 3: Durchschnittlicher täglicher Pflegebedarf 300 Minuten.

Wer sollte eine Pflegeversicherung abschließen?

Da sehr viele Menschen im Alter auf Pflege angewiesen sind, ist die private Pflegezusatzversicherung grundsätzlich für jeden sinnvoll, der die hohen Kosten nicht aus eigener Tasche tragen kann oder möchte. Schließlich kann man trotz Pflegebedarf noch ein langes Leben führen – und das möchten Sie natürlich auch so angenehm wie möglich gestalten. Allerdings können dabei selbst hohe Rücklagen in kurzer Zeit von den Kosten „aufgefressen“ werden.

Mit der privaten Pflegeversicherung sichern Sie diese Kosten ab. Viele Eltern wollen damit außerdem ihre Kinder entlasten: Diese können nämlich für den Pflegeunterhalt ihrer Eltern vom Sozialamt in die Pflicht genommen werden.

„Ich bin doch gesetzlich versichert. Das wird schon ausreichen!“ So einfach ist es leider nicht. Die Mitgliedschaft in der gesetzlichen Krankenversicherung schließt die Mitgliedschaft in der gesetzlichen Pflegekasse zwar ein. Im Pflegefall übernimmt die gesetzliche Pflegekasse daher auch einen Teil der Pflegekosten. Hierfür gibt es allerdings klare Regeln und genau definierte Höchstsätze. Alles, was darüber hinaus an Kosten anfällt, muss von den der pflegebedürftigen Personen oder ihren Angehörigen selbst getragen werden. Um dies zu verhindern, wird der Abschluss einer privaten Pflegezusatzversicherung dringend empfohlen. Je früher dies geschieht, umso besser ist es.

Übrigens: Auch in der privaten Krankenversicherung ist die Pflegepflichtversicherung  ein Pflichtbaustein.

Im Vergleich zur Pflegekostenversicherung und der Pflegerentenversicherung ist die Pflegetagegeldversicherung sehr preiswert. Gut zu wissen: Ihr Abschluss kann unter Umständen staatlich gefördert werden. Diese Variante, die auch als Pflege-Bahr bekannt ist, setzt voraus, dass der monatliche Beitrag mindestens 10 Euro beträgt und dass der Anbieter staatlich zertifiziert ist. Im Rahmen des Pflege-Bahr wird ein monatlicher Zuschuss in Höhe von 5 Euro oder ein jährlicher Zuschuss in Höhe von 60 Euro gewährt.

Was leistet eine Pflegetagegeldversicherung?

Eine Pflegetagegeldversicherung hat den Vorteil, dass der Versicherte im Pflegefall einen fest vereinbarten Tagessatz erhält. Das Geld können Sie frei verwenden und es wird zusätzlich zu den Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung gezahlt. Die Höhe des Pflegetagegeldes richtet sich nach dem gewählten Tarif und nach der Pflegestufe. Es gibt Versicherungen, die in jeder Pflegestufe die höchste Leistung gewähren und Versicherungen, die die Leistungen nach Pflegestufe staffeln.

Ein Beispiel: Mit Pflegestufe I erhalten Sie 50% des Tagessatzes, mit Pflegestufe II sind es 75% und mit Pflegestufe III werden die vollen 100% ausgezahlt. Hier unterscheiden sich die Tarife der verschiedenen Versicherungsgesellschaften

Die Pflegestufe, die von der gesetzlichen Krankenkasse festgelegt wurde, ist auch für die private Pflegezusatzversicherung bindend.  Es gibt darüber hinaus aber noch weitere Leistungsvoraussetzungen, die anstelle der gesetzlichen Einstufung greifen. Dies ist zu Ihrem Vorteil: Damit möchten die Versicherer einen schnelleren Eintritt in die Leistung zu gewähren.

Ein Beispiel: Sie sind nach einem schweren Unfall nicht mehr in der Lage, eigenständige Handlungen auszuführen. Vom gesetzlichen Gutachten haben Sie aber noch keine Pflegestufe zugeteilt bekommen. Für solche Fälle setzen manche Tarife folgende Voraussetzung fest: Sobald mindestens drei Grundtätigkeiten nicht mehr selbstständig ausgeführt werden können, greift die Leistung der Versicherung. Als Grundtätigkeiten definiert sind z.B. Handlungen wie eigenständiges Essen oder Waschen.

Das Wichtigste auf einen Blick:

  • Die Pflegetagegeldversicherung ist günstiger als Pflegekosten- und Pflegerentenversicherung.
  • Steuerliche Förderung im Rahmen des Pflege-Bahr ist möglich.
  • Je nach Tarif kann die Leistung nach Pflegestufe gestaffelt werden.
  • Pflegestufe der gesetzlichen Krankenkasse ist auch für private Tarife bindend.
  • Zusätzliche Leistungsvoraussetzugnen ermöglichen schnellere Hilfe.

Wichtige Hilfestellung: Fachlicher Rat zur Pflegeversicherung

Die verschiedenen Aspekte wie zusätzliche Leistungsvoraussetzung, Leistungsumfang oder Staffelung der Tagessätze wirken sich natürlich auf die Beiträge für die jeweiligen Tarife aus. Darum ist die Entscheidung für den richtigen Tarif nicht ganz einfach. Zwar können Sie einfach den günstigsten Tarif auswählen – dieser deckt dann aber möglicherweise nicht alle Leistungen ab, die Sie später benötigen.

Ein höherpreisiges Angebot dagegen enthält vielleicht Leistungen, die für Sie nicht unbedingt nötig sind. Entscheidend ist es, den Tarif zu finden, der ideal zu Ihren Anforderungen passt – ohne dafür unnötig hohe Beiträge zu zahlen.

Ein Fachmann hilft Ihnen dabei, Preise und Leistungen zu vergleichen und auf Ihre persönliche Situation abzustimmen. So finden Sie das optimale Paket zum besten Preis. Holen Sie sich persönliche Unterstützung von qualifizierten, erfahrenen und unabhängigen Beratern in Ihrer Nähe. Gerade in der privaten Pflegeversicherung ist es sehr wichtig, Über- oder Unterversicherungen zu vermeiden und die Versicherungsleistungen zu optimieren.

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Headerbild: ©iStock/Wavebreakmedia

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