Krankenhaus-Zusatzversicherung – für jeden sinnvoll?

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Vorsicht bei der Krankenhausrechnung

Immer wieder werden Fälle publik, in denen Krankenhäuser die private Zusatzversicherung eines Patienten genutzt haben, um nicht erbrachte oder überflüssige Leistungen abzurechnen. Schwierig wird es vor allem, wenn auf der Krankenhausrechnung Leistungen auftauchen, welche die Versicherung  gar nicht abdeckt. Worauf muss man also beim Abschluss einer Krankenhauszusatzversicherung achten?

Die wichtigsten Punkte auf einen Blick:

  • Die Krankenhaus-Zusatzversicherung bündelt verschiedene Leistungen.
  • Das Krankenhaus-Tagegeld richtet sich nach dem Grund der Einlieferung.
  • Zu einer Krankenhaus-Zusatzversicherung sollte immer eine Rechtschutzversicherung abgeschlossen werden.

Viel wird versprochen

Eine Krankenhaus-Zusatzversicherung verspricht vieles: die berühmte Chefarzt-Behandlung, Einzelzimmer und die beste medizinische Versorgung, welche auf dem neuesten Stand der Technik ist. Darüber hinaus locken viele Versicherungen mit Krankenhaus-Tagegeld. Doch bei diesen Versprechungen muss man genau hinsehen, sonst ist der Ärger hinterher groß. Nicht immer übernehmen die Versicherer auch wirklich alles, was auf der Krankenhausrechnung steht. Und nicht immer verbirgt sich hinter den Leistungen das, was der Patient erwartet.

Was ist eine „Chefarztbehandlung“?

Kein Versicherer wird wirklich prüfen können, ob der Chefarzt persönlich sich um den Patienten kümmern kann. Rein rechtlich genügt die tägliche persönliche Visite des Chefarztes, um eine „Chefarztbehandlung“ auf die Krankenhausrechnung setzen zu können. Es geht zwar bei diesem Angebot nicht darum, dass der Chefarzt jeden Verband wechselt – dennoch sollte es zumindest das besondere Augenmerk des Oberarztes realisieren.

Viele Krankenhäuser haben jedoch Schwierigkeiten damit, die versprochenen und abgerechneten Leistungen auch wirklich in voller Höhe umzusetzen. Wie gesagt – es genügt ein kurzer Blick des Chefarztes auf den Patienten, um diese Leistung berechnen zu können.

Gibt es immer Krankenhaus-Tagegeld?

Das Krankenhaus-Tagegeld ist so eine Sache. Die Versicherer unterscheiden sehr genau, aus welchem Grund man ins Krankenhaus gekommen ist. Ist es eine chronische Krankheit, ein Unfall, eine vermeidbare oder sogar fahrlässige Handlung gewesen, die ins Krankenhaus geführt hat?

Hier gilt es dringend, den Vertrag ganz genau zu lesen. „Ich habe eine Krankenhaus-Tagegeld-Versicherung“ sagt leider zunächst einmal überhaupt nichts aus. Damit die Versicherung wirklich in JEDEM Fall eine Krankenhaus-Tagegeld-Leistung erbringt, müssen in der Regel Kombi-Verträge abgeschlossen werden, die alle Ursachen eines Krankenhaus-Aufenthaltes abdecken.

Die Versicherung zahlt jede Behandlung?

Dies ist wahrscheinlich das größte Missverständnis: Eine Sonderbehandlung, die nicht von den Krankenkassen abgedeckt ist, zahlt der Patient immer zunächst einmal selbst. Eine Krankenhaus-Zusatzversicherung reguliert die versprochenen Leistungen im Nachhinein, aber nur in der Höhe, die Sie für angemessen hält. Der Patient steht damit immer zwischen den Stühlen: Das Krankenhaus will für seine Leistungen bezahlt werden … die Versicherung will die Krankenhausrechnung aber häufig nicht in der vollen Höhe übernehmen. Es kommt daher regelmäßig vor, dass die Krankenhausrechnung zumindest teilweise von der Versicherung abgelehnt wird.

Sie haben als Patient dann allerdings eine gute Rechtsgrundlage, die zu viel gezahlten Beträge vom Krankenhaus zurück zu fordern. Sie sehen aber, dass sich dieses Problem sehr unangenehm auswachsen kann. Denn je nach Höhe des Betrages – und vor allem um keine Präzedenzfälle zu schaffen – sind sowohl die Krankenhäuser als auch die Versicherungen recht unerschrocken, wenn es um den Rechtsweg geht.

Immer mit Rechtsschutz

Zu einer Krankenhauszusatzversicherung gehört deshalb immer auch eine gute Rechtschutzversicherung. Ob diese bei einer anderen Gesellschaft abgeschlossen werden sollte, liegt in Ihrem Ermessen. Falls Sie ein zu gering erstattete Rückvergütung einer Krankenhausrechnung bei Ihrem Versicherer einklagen wollen, gerät Ihre Gesellschaft der Wahl in einen gewissen Konflikt. Natürlich verklagen sich die Gesellschaften nicht gerne selbst, jedoch sind diese Geschäftsbereiche eigentlich voneinander getrennt. Doch wie so oft, kann auch der Umstand, viele bzw. alle Versicherungen bei einer einzigen Gesellschaft abgeschlossen zu haben, eine gewisse Kulanz-Bereitschaft hervorrufen.

Business ist Business

Aber keine Angst: Die hier zum Teil beschriebenen Dynamiken rund um die  Krankenhausrechnung stellt lediglich den „Worst Case“ dar. Es ist keineswegs so, dass Krankenhäuser grundsätzlich exorbitante Rechnungen stellen und gleichzeitig die Versicherer permanent versuchen, sich um ihre Leistungen zu drücken. Diese Fälle passieren zwar – sie sind aber bei Weitem nicht die Regel. Krankenhäuser und Versicherungsgesellschaften haben auch einen Ruf zu verlieren.

Headerbild: ©iStock/monkeybusinessimages

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