Gerichtsurteil zur Werkstattwahl bei Kfz-Versicherungen

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Urteil zur Werkstattwahl bei Kfz-Versicherungen

Muss sich der durch einen Unfall Geschädigte vom Versicherer seines Unfallgegners mit seinem fahruntüchtigen Fahrzeug in eine preiswertere Werkstatt schicken lassen? Nein, sagt das Oberlandesgericht Karlsruhe in einem Beschluss vom 28. Juli 2015. Das gilt vor allem dann, wenn die vom Versicherer empfohlene freie Werkstatt weiter von der Wohnung des Geschädigten entfernt ist (OLG Karlsruhe; Az.: 1 U 135/14).

Die wichtigsten Punkte auf einen Blick:

  • Versicherer kann nur auf eine preiswertere Werkstätte verweisen.
  • Schaden kann in einer markengebundenen Werkstatt abgerechnet werde.
  • Werkstatt muss mühelos erreichbar sein.
  • Kein Verstoß gegen die Pflicht der Schadensminderung.
  • Gegnerische Versicherung muss Schaden abrechnen.

An dem Unfall hatte der Kläger keine Schuld. Sein defektes Auto brachte er in eine markengebundene Werkstatt in knapp vier Kilometer Entfernung zu Wohnung. Der Sachverständige dort stellte fest, dass der Wagen noch fuhr, aber nicht verkehrssicher sei.

Hinweis auf eine alternative Werkstatt

Den Schaden wollte der Kläger daraufhin auf Grundlage des Gutachtens durch den Sachverständigen abrechnen. Darauf hin wollte sich der Versicherer des Unfallgegners nicht einlassen. Er argumentierte, dass eine freie Werkstatt wesentlich preiswerter arbeite. Eine solche Werkstatt befinde sich rund 22 Kilometer vom Zuhause des Geschädigten entfernt. Deshalb wollte der Versicherer den Schaden auf Grundlage der dort geltenden Preise regulieren. Der Kläger bestand darauf, auf Gutachterbasis abzurechnen. Das berücksichtigte die in der Fachwerkstatt üblichen Preise.

Entfernung spielt eine Rolle

Landgericht und Oberlandesgericht Karlsruhe gaben dem Kläger Recht. Zwar könne der Versicherer eines Unfallverursachers das Unfallopfer grundsätzlich auf eine preiswertere Reparaturmöglichkeit durch eine freie Werkstatt verweisen. Vor allem, wenn der Geschädigte seinen Sachschaden fiktiv auf Basis eines Gutachtens durch einen Sachverständigen abrechnet. Dafür sei aber unter anderem Voraussetzung, dass der Geschädigte die vom Versicherer vorgeschlagene Werkstatt mühelos erreichen kann. Beide Instanzen werteten als einen Anhaltspunkt die Strecke zwischen der Wohnung des Klägers und der Werkstatt, auf den die gegnerische Versicherung verweisen wollte. Auch der zusätzliche Aufwand für einen Transport zählt. Der beschädigte Wagen hätte die Strecke zur Werkstatt wegen seiner Fahruntüchtigkeit nicht zurücklegen können.

Gerichtsurteil zur Werkstattwahl

Einen Verstoß gegen die Pflicht zur Schadensminderung durch das Unfallopfer sahen die Richter nicht. Ein Geschädigter muss sich nach § 254 Absatz 2 BGB nur an vernünftige Handlungen zur Schadensminderung halten. Das sind nach Ansicht der Richter Maßnahmen, wie sie jeder verständige Mensch ergreifen würde. Die aufwändige Fahrt in eine weiter entfernte Werkstatt gehört nicht dazu. Deshalb müsse die gegnerische Versicherung den Schaden auf Gutachterbasis abrechnen.

Headerbild: ©iStock/Minerva Studio

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Ihr Experte für Versicherungen und Finanzen: Sven Salomon sorgt als selbstständiger Versicherungsberater seit mehr als 15 Jahren dafür, dass Menschen sich und ihre Familie optimal absichern können. Als Geschäftsführer verschiedener Unternehmen berät er mittelständische Firmen sowie Privatkunden. Diese Aufgabe ist für ihn mehr als ein Job: Die Versicherungsmaterie ist seine Leidenschaft. Mit Begeisterung hält er sich darum fachlich immer auf dem neuesten Stand.

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