Haftung bei Glatteis und Schnee – wer haftet bei Unfällen?

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Haftung bei Glatteis und Schnee - Finanzvergleich100.de

Bleibt der erste Schnee liegen und bildet sich Bodenfrost, steigt die Rutschgefahr und mit ihr das Risiko eines Unfalls. Dies gilt umso mehr, wenn der Gehweg vor dem eigenen Domizil schlecht oder überhaupt nicht geräumt ist. Kommt ein Passant zu Fall und verletzt sich dabei schwer, so kann dies den Grundstückseigentümer teuer zu stehen kommen.

Die wichtigsten Punkte auf einen Blick:

  • Grundbesitzer haften bei Verletzung der Räum- und Streupflicht für Glatteisunfälle.
  • Unfallopfer müssen Pflichtverletzung nachweisen.
  • Räum- und Streupflicht kann auf Dritten (z.B. Hausverwaltung, Mieter) übertragen werden.
  • Finanzielle Absicherung bietet eine Grundbesitzerhaftpflichtversicherung.

Wer ist für einen Glatteisunfall verantwortlich?

Das Gesetz regelt unmissverständlich, dass die Haftung bei Glatteis zu Lasten des Grundbesitzers geht, wenn Nachbar, Briefzusteller und weitere Personen stürzen und so vor dessen Haustür zu Schaden kommen. Gleiches gilt im Übrigen auch für Autofahrer, die wegen umgeräumter Straße von der Fahrbahn abkommen.

Komplexe Frakturen können im schlimmsten Fall mit teuren Behandlungskosten, Verdienstausfall, Rentenansprüchen etc. einhergehen. Um Unfälle sowie Schadenersatzansprüche zu vermeiden, sollten Sie daher Ihre Räum- und Streupflicht nicht leichtfertig verletzen.

Unfallopfer müssen Verstoß gegen Räum- und Streupflicht beweisen

Eine Haftung bei Glatteis ergibt sich für den Grundbesitzer jedoch nicht in jedem Fall. Dies lässt sich bereits aus der bisherigen Rechtsprechung ableiten. Das Landgericht Coburg (Az.: 05.12.2013) hat etwa in einem Streitfall entschieden, dass die bloße Behauptung über ein Ausrutschen aufgrund von Glätte keinen Schadenersatzanspruch begründet. Vielmehr hat die geschädigte Person die behauptete Verletzung der Räum- und Streupflicht zu beweisen.

Die Richter verneinten eine Haftung bei Glatteis, weil das Unfallopfer nicht nachweisen konnte, dass zum Sturzzeitpunkt eine allgemeine Glätte vorlag. Zudem erklärte das Gericht, dass einzelne Glättestellen keine Streupflicht begründen. Entscheidend ist zudem, dass zum besagten Zeitpunkt auch Frosttemperaturen vorherrschten.

Der Gesetzgeber verlangt auch nicht, dass Sie als Grundstücksbesitzer ständig den Gehweg von Eis und Schnee frei machen. Geräumt sein müssen Gehwege, Zufahrten, Hauseingang, Garagen, Wege zur Mülltonne sowie Straßen zu folgenden festgelegten Zeiten:

  • Montags bis samstags von 7.00 bis 20.00 Uhr
  • An Sonn- und Feiertagen von 9.00 bis 20.00 Uhr

Stürzt ein Passant vor den genannten Zeiten, so ist Ihre Haftung bei Glatteis ausgeschlossen. Bei anhaltendem Schneefall müssen Sie im Laufe des Tages aber auch mehrfach fegen und streuen. Dies bedeutet jedoch nicht, dass Sie deswegen alle zehn Minuten aus dem Haus müssen.

Achten sollten Sie darauf, dass der Zugang zum Hauseingang sowie der ans Grundstück grenzende Gehweg in einer Breite von 1,20 bis 1,50 Metern geräumt ist. Für die Wege zu den Parkplätzen oder Mülltonen ist schon ein schmaler eisfreier Pfad von einem halben Meter ausreichend.

Haftung bei Glatteis: Wie Sie sich finanziell absichern

Finanziellen Schutz vor Schadenersatz- und Schmerzensgeldansprüchen bietet eine Haftpflichtversicherung. Liegt die Räum- und Streupflicht beim Vermieter, so ist der Abschluss einer Grundbesitzerhaftpflichtversicherung erforderlich. Wurden diese Pflichten hingegen per Mietvertrag auf den Mieter übertragen, kann der Bewohner derartige Schadenfälle über seine Privathaftpflicht geltend machen.

Blind sollten Sie auf Ihre Haftpflichtversicherung dennoch nicht vertrauen. Denn wenn Sie Ihrer Verkehrssicherungspflicht ganz und gar nicht nachkommen, kann Ihnen die Versicherung ein vorsätzliches Verhalten vorwerfen. Laut dem Bund der Versicherten (BdV) hätte dies gegebenenfalls zur Folge, dass die Versicherung die Leistung ganz ablehnt. Hier gibt es auf dem Markt jedoch Unterschiede, weshalb sich ein Leistungsvergleich empfiehlt.

So gehen Sie Streitfällen aus dem Weg

Um Schäden an Dritten sowie am eigenen Eigentum in der kalten Jahreszeit zu verhindern, helfen Ihnen folgende Ratschläge weiter:

  • Sind Sie krank oder berufstätig, sollten Sie Nachbarn oder Verwandte um Hilfe beim Winterdienst bitten.
  • Beachten Sie, dass manche Gemeinden den Einsatz von Salz untersagen.
  • Befreien Sie Dächer und Regenrinnen von Schnee und Eis. Von Vorteil ist die Installation von Schneefanggittern. Sollte übrigens eine Dachlawine einen Schaden an Ihrer Immobilie herbeiführen, wäre dies ein Fall für die Elementardeckung Ihrer Wohngebäudeversicherung.
  • Sturmschäden an Ihrem Gebäude sind Ihrer Wohngebäudeversicherung unverzüglich zu melden. Wurde dagegen Ihr Hausrat von einem Sturm- oder Einbruchschaden in Mitleidenschaft gezogen, so ist die Hausratversicherung der richtige Ansprechpartner.
  • Stellen Sie Ihr Thermostat im Winter bei längeren Urlaubsreisen zumindest auf Frostschutz. So vermeiden Sie, dass Leitungen platzen. Gerade Bauherren bleiben sonst auf dem Schaden sitzen. Achten Sie auf einen ausreichend beheizten Wohnraum sowie darauf, dass die Wasserrohre entleert sind.

Headerbild: ©iStock/robertiez

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