Homöopathie Arzt & homöopathische Mittel – was zahlen die Krankenkassen?

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Homöopathische Mittel und Homöopathie Arzt: Was zahlen die Kassen? Finanzvergleich100

Weil sich viele Patienten sanfte Therapien ergänzend zur Schulmedizin wünschen, befinden sich homöopathische Mittel seit Jahren im Aufschwung – allen wissenschaftlichen Studien sowie Widerständen zum Trotz. Nicht wenige sehen diesen Trend jedoch kritisch und betonen, dass Homöopathie einen Arzt nicht ersetzen könne. Nun heizt ein Tweet der Techniker Krankenkasse die Gemüter noch zusätzlich auf.

Die wichtigsten Punkte auf einen Blick:

  • Homöopathie erfreut sich einer großen und wachsenden Beliebtheit
  • Kritiker verweisen auf Studienergebnisse und Placebo-Effekt
  • Homöopathische Mittel nicht Bestandteil des Leistungskatalogs der Krankenkassen
  • Viele Krankenkassen leisten allerdings begrenzt für Behandlungen und Medikamente

Techniker Krankenkasse sorgt für Eklat

Nun sorgte auch ein Tweet der Techniker Krankenkasse für neuen Zündstoff und löste einen regelrechten Shitstorm in den sozialen Medien aus. So wurde ein kritischer Gesprächspartner seitens der TK gefragt: „Können Sie uns saubere, wissenschaftliche Studien nennen, die die Nicht-Wirksamkeit von Homöopathie belegen?“

Für Empörung sorgte einerseits die Tatsache, dass die Beweislast auf den Fragesteller abgewälzt werde. Andererseits erhärte sich für viele der Eindruck, dass die damit verbundenen Kosten lediglich aus werbetechnischen Gründen übernommen werden und nicht, weil die Kassen von der Wirksamkeit der Naturheilverfahren überzeugt sind.

Homöopathie weit oben in der Gunst der Patienten

Zahlreiche Deutsche vertrauen auf die Heilkraft homöopathischer Mittel. Eine repräsentative Umfrage der Krankenkasse mhplus aus dem Jahr 2014 kam zu dem Ergebnis, dass 43 Prozent der Befragten im Krankheitsfall lieber auf Homöopathie statt auf die Schulmedizin setzen. 44 Prozent sind der Überzeugung, dass pflanzliche oder homöopathische Präparate oftmals genauso gut wirken wie ein chemisches Arzneimittel.

Dieser Trend ist bis heute ungebrochen. Inzwischen gibt es rund 2.500 unterschiedliche homöopathische Mittel – hergestellt aus Tieren, Tierprodukten, Pflanzen und Mineralien. Diese sollen bei einem gesunden Menschen eine ganz bestimmte Kombination von Symptomen hervorrufen. Und exakt für dieses Beschwerdebild eignet sich die jeweilige Substanz laut der Lehre Hahnemanns, dem Begründer der Homöopathie. Bereits viele Patienten berichten von positiven Erfahrungen mit homöopathischen Medikamenten und Behandlungsmethoden.

Zu einem interessanten Ergebnis kam die Techniker Krankenkasse allerdings im Rahmen einer Studie, die 2015 im Fachblatt „Plos One“ veröffentlich wurde und zu der 44.500 Versicherte befragt wurden. Danach sind Patienten, die von einem Homöopathie Arzt behandelt wurden länger krankgeschrieben und verursachen überdies auch höheren Kosten.

Eine Sprecherin der Techniker Krankenkasse betont jedoch den positiven Aspekt, den ein Erstgespräch von 60 bis 90 Minuten bei einem Homöopathie Arzt habe. Diese wertvolle Zeit bringe ein gewöhnlicher Arzt in der Regel nicht auf. Insgesamt geht die TK somit von einem positiven Kosten-Nutzen-Verhältnis aus. An den Milliardenverlusten der Branche hat die Homöopathie allenfalls nur geringen Anteil.

Homöopathische Mittel: Wirkung wissenschaftlich nicht belegt

Doch längst kämpft das Therapie-Konzept Hahnemanns um seine Anerkennung. Zahlreiche Studien befassen sich mit dem Naturheilverfahren, wobei jedoch die meisten Untersuchungen eine Wirkung ausschließen, welche über einen Placebo-Effekt hinausgeht. Mediziner bestreiten, dass Homöopathika in hohen und höchsten Verdünnungen wirken können.

Kritiker vergleichen die Wirkung von Homöopathie sogar mit der von Zuckerpillen. Homöopathische Mittel würden demzufolge nur deshalb vermeintlich wirken, weil die Patienten fest an den gewünschten Effekt glauben. Dies sind die Gründe, weshalb homöopathische Präparate nicht im Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen zu finden sind. Anders sieht es in der Privaten Krankenversicherung aus, die zuletzt mit Beitragssteigerungen von sich reden machte.

Dabei zeigt die Umfrage der mhplus Krankenkasse, dass vier von zehn Bundesbürgern auf homöopathische Präparate deshalb verzichten, weil sie befürchten, die Kosten hierfür alleine tragen zu müssen. Inzwischen sind allerdings einige Krankenkassen dazu übergegangen, eine Behandlung auf der Grundlage von Homöopathie beim Arzt zu übernehmen.

Welche Kassen welche Kosten für Homöopathie übernehmen

Die TK, Barmer, DAK sowie AOK Bayern tragen als die vier größten Krankenkassen in Deutschland zumindest einen Teil der Kosten. Allerdings unterscheiden sich die gewährten Leistungen teils beträchtlich. Die AOK Bayern schließt etwa eine Behandlung beim Homöopathie Arzt vollständig aus und erbringt für entsprechende Präparate lediglich einen Zuschuss von 30 Euro. Bis zu 100 Euro beträgt dieser Zuschuss hingegen bei der DAK-Gesundheit und der TK.

Für Behandlungen leistet die DAK höchstens 168 Euro, während die TK sowie die Barmer diese in voller Höhe übernehmen. Für homöopathische Mittel sieht die Barmer jedoch keinerlei Erstattungen vor. Auch viele weitere kleinere Krankenkasse kommen für eine Behandlung bei Homöopathie Arzt oft unbeschränkt auf. Der Zuschuss für Medikamente variiert hingegen häufig zwischen 20 und 500 Euro im Jahr.

Patienten sollten ein besonderes Augenmerk auf das Kleingedruckte legen. Nicht selten setzt die Erstattung ein Privatrezept voraus. Manche kommen für die Kosten nur auf, wenn es nicht um einen Heilpraktiker, sondern um einen Arzt mit entsprechender Zusatzausbildung handelt. Bestimmte Krankenkassen verlangen sogar, dass der Therapeut an einem Kooperationsprogramm teilnimmt.

Ferner kann es vorkommen, dass die entstandenen Kosten nur bezahlt werden, wenn im laufenden Jahr ein bestimmtes Budget für Zusatzleistungen nicht überschritten wurde. Alternativ können Versicherte auf die Private Krankenversicherung setzen, die nicht nur für Studenten und junge Menschen interessant ist. Auch verschiedene private Zusatzversicherungen eignen sich, um den Versicherungsschutz der gesetzlichen Kassen nach den eigenen Wünschen und Bedürfnissen zu erweitern.

Headerbild: ©iStock/a-apell

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