Gesetzliche Krankenkassen machen Milliardenverluste

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Gesetzliche Krankenkassen machen Milliardenverluste

Die gesetzlichen Krankenkassen verzeichneten im letzten Jahr einen Verlust in Höhe von 1,14 Milliarden Euro. Am Montag, dem 07. 03. 2016 veröffentlichte das Bundesgesundheitsministerium in Berlin das vorläufige Finanzergebnis für das Jahr 2015.

Die wichtigsten Punkte auf einen Blick:

  • Defizit von 1,14 Milliarden Euro
  • Grund: Senkung der Zusatzbeiträge und Anstieg der Ausgaben
  • Gesamtreserve massiv reduziert
  • Finanzielles Fundament ist dennoch stabil
  • Lösung: Erneute Anhebung der Beiträge bis 2019

Enormes Defizit der Gesetzlichen Krankenkassen im Jahr 2015

Im Jahr 2015 haben die Gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) in Deutschland ein enormes Defizit in Milliardenhöhe erwirtschaftet. Nach dem vorläufigen Finanzergebnis stehen den Einnahmen von 212,4 Milliarden Euro erhöhte Ausgaben von 213,56 Milliarden gegenüber. Zum Jahreswechsel 2015/2016 reduzierte sich die Gesamtreserve als Finanzpolster auf 24,5 Milliarden Euro, während sie vor zwei Jahren noch bei 30,3 Milliarden lag.

Diese setzt sich aus der Liquiditätsreserve des Gesundheitsfonds mit nunmehr 10 Milliarden und der Reserve der Krankenkassen zusammen, die zum Ende des Jahres 2015 nur noch bei rund 14,5 Milliarden Euro lag. Dennoch stehen die Gesetzlichen Krankenversicherungen, nach Aussage von Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe, mit dieser Gesamtreserve weiterhin auf einem stabilen finanziellen Fundament.

Ursachen für den hohen Verlust

Ein wesentlicher Grund für den Milliardenverlust ist unter anderem die Senkung der Zusatzbeiträge, womit die Krankenkassen ihre gesetzlich versicherten Mitglieder entlastet haben. Die Entlastung der Versicherten wirkt sich insgesamt mit rund 900 Millionen Euro weniger Einnahmen aus. Um die Zusatzbeiträge niedrig halten zu können, verwendeten die GKV die Gelder aus ihrer Finanzreserve.

Ein zweiter Grund ist der Anstieg der Ausgaben um circa 8 Milliarden Euro. Dafür verantwortlich ist vor allem die Steigerung der Arzneimittelausgaben um fast 1,7 Milliarden, der Arzthonorare um 1,6 Milliarden und der Krankenhausbehandlungen um 2,5 Milliarden Euro im Jahr 2015. Des Weiteren ist ein überproportionaler Ausgabenzuwachs um 6,5 % pro Versicherten für Heilmittel, ein Anstieg der Ausgaben für Präventionsleistungen um 8 % pro Versicherten sowie eine Steigerung der Nettoverwaltungskosten zu verzeichnen.

Verlustausgleich: Folgen für die gesetzlich Versicherten

Seit dem 01. Januar 2015 können die gesetzlichen Krankenversicherungen einen Zusatzbeitrag, zuzüglich des allgemeinen Beitragssatzes von 14,6 % erheben, um Engpässe auszugleichen. Die Senkung der Zusatzbeiträge von den Krankenkassen letztes Jahr hat ihr Ende gefunden. Aufgrund der hohen Verluste wurde zum Ausgleich bereits Anfang 2016 von vielen Krankenkassen eine Anhebung der Zusatzbeiträge von durchschnittlich 0,2 % vorgenommen.

Zahlreiche Kassen hielten ihren Zusatzbeitrag bisher unter oder genau auf 0,9 Prozent. Zurzeit liegt dieser vom Arbeitnehmer allein zu zahlende Beitrag im Durchschnitt bei 1,1 Prozent. In der Zukunft sind weitere kontinuierliche Anpassungen des Zusatzbeitrages zu erwarten. Nicht nur das Defizit des letzten Jahres, sondern auch die steigenden Kosten für Arzneimittel, Ärzte, Krankenhäuser, eine älter werdende Gesellschaft und zahlreiche Reformen lassen auf eine Steigerung von 0,2 % bis 0,3 % pro Jahr schließen. Experten schätzen, dass bis zum Jahr 2019 der Zusatzbeitrag im Schnitt auf 1,8 % ansteigt.

Bildquelle Headerbild: Ingram Publishing/Thinkstock

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Ihr Experte für Versicherungen und Finanzen: Sven Salomon sorgt als selbstständiger Versicherungsberater seit mehr als 15 Jahren dafür, dass Menschen sich und ihre Familie optimal absichern können. Als Geschäftsführer verschiedener Unternehmen berät er mittelständische Firmen sowie Privatkunden. Diese Aufgabe ist für ihn mehr als ein Job: Die Versicherungsmaterie ist seine Leidenschaft. Mit Begeisterung hält er sich darum fachlich immer auf dem neuesten Stand.

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