Telemedizin gegen Ärztemangel – eine Chance?

0
112
Telemedizin

Gesundheitszentren auf der einen Seite, Ärztemangel in strukturell schwachen Gebieten auf der anderen. Telemedizin bietet Potenzial für die ärztliche Versorgung.

Moderne Übertragungstechnik im Dienste der Patienten

Noch sieht der Gesetzgeber keine Grundlage für reine Ferndiagnosen. Jedoch lassen virtuelle Medien medizinische Möglichkeiten zu, die von den Krankenkassen oder der Privaten Krankenversicherung getragen werden. Geräte wie Herzschrittmacher oder Insulinpumpen übertragen die Patientendaten auf den Arztrechner. Hausärzte tauschen sich mit Fachärzten online aus, und Fotos von Verletzungen oder Hautsymptomen werden gemailt.

Das spart Zeit und Wege. Überdies gewährleistet Telemedizin eine Kontrolle und Versorgung in Gegenden, wo chronischer Ärztemangel herrscht. Innerhalb großer Kliniken, die räumlich verteilt sind, ist die Zuhilfenahme dieser modernen Mittel bereits Alltag. Medizinische Bilder wie MRT und Röntgenaufnahmen werden an Spezialisten übertragen. Bestimmte Fachrichtungen sind der allgemeinen Entwicklung voraus. Die Behandlung von Depressionen wird seit Jahren mit Erfolg durch Onlineprogramme unterstützt.

Nach einer aktuellen Studie benutzt nahezu jeder zweite Smartphone-Besitzer eine Gesundheitsapp. Dieses Verhalten kann ebenfalls zu einem Schwerpunktthema werden. Chronisch Kranke könnten Rücksprache mit ihrem Arzt halten, wenn etwa Blutdruck- oder Blutzuckerwerte im kritischen Bereich liegen.

Weite Wege? Kein Problem für Telemedizin!

Die virtuellen Übertragungswege lassen viele Möglichkeiten zu. Leidet man im Urlaub unter einem Hautausschlag, so kann ein an den Hausarzt oder Facharzt im Heimatland übermitteltes Bild wichtige Hinweise geben. Eine Beurteilung eines solchen Bildes kann und darf zwar keine umfassende Diagnose ersetzen. Im Ernstfall bietet aber ein entsprechender Tipp des Hausarztes die Chance, in dringenden Fällen rechtzeitig eine Klinik aufzusuchen. Wer dann noch eine Reiseversicherung abgeschlossen hat, kann die wichtige ärztliche Versorgung ohne Kostenrisiko auf sich zukommen lassen.

Bei der ärztlichen Betreuung von älteren Patienten hat sich die Medizin per Datenübertragung bewährt. Augenärzte untersuchen Senioren in Pflegeheimen. Die Untersuchungsergebnisse gehen online zur Auswertung an eine Augenklinik. So lassen sich zwei Vorteile vereinen: Die Bewohner der Heime sparen sich den Weg zum Arzt. Mit erfahrenen Spezialisten werden in einer Fachklinik fundierte Diagnosen erstellt und weitreichende Behandlungen eingeleitet.

Das bietet Telemedizin

  • Sie ermöglicht den unkomplizierten Austausch unter Ärzten
  • Patientendaten werden aufgezeichnet und überwacht
  • Zugriff zum Wissen von Spezialisten und Fachkliniken

Neue Wege gegen Ärztemangel

Trotz vieler Vorteile stehen diese Methoden noch im Schatten der traditionellen ärztlichen Versorgung. Einer der Hauptgründe ist, dass derzeit die Berufsordnung eine telemedizinische Behandlung ausschließt, wenn nicht zuvor ein persönlicher Kontakt zwischen Arzt und Patient stattgefunden hat.

Dennoch stehen die Chancen gut, dass diese Art der Patientenbetreuung Zukunft hat. Der zunehmende Ärztemangel in ländlichen Regionen erschwert eine flächendeckende Behandlung der Patienten. Zudem trägt der demoskopische Wandel des Berufsstandes dazu bei, dass gerade Hausärzte in Gebieten mit schwacher Infrastruktur keinen Nachfolge finden und die Praxis schließen. Laut einer Hochrechnung der KBV wird sich bis 2030 diese Problematik noch verschärfen.

Kritische Stimmen zur Telemedizin bleiben nicht aus. Manch niedergelassener Arzt befürchtet Mehrarbeit und eine Verzögerung in der Behandlung. Die per Video erfolgte Konsultation ermögliche keine gesicherte, zulässige Diagnose. Der Termin in der Praxis müsse nachgeholt werden. Ob dieser Einwand wirklich zählt, hängt sicher von der Aufgeschlossenheit des Arztes ab.

Dass durch Onlineverfahren der Datenschutz nicht mehr gewährleistet sein könnte, dürfte ebenfalls kein aussagekräftiges Argument gegen Telemedizin sein. Bereits jetzt tauschen Ärzte nur die Patientendaten aus, die für Diagnose und Behandlung wichtig sind. Eines werden jedoch die innovativen Wege den Patienten nicht abnehmen: Für umfassende finanzielle Absicherung im Krankheitsfall muss jeder selber vorsorgen, sei es durch eine Versicherung bei schweren Krankheiten, eine Krankenhaustagegeldversicherung oder die existenzsichernde  Berufsunfähigkeitsversicherung.

Titelbild: (c)thinkstock/wavebreakmedia

Diese Seite bewerten
Kostenlosen Vergleich anfordern

Keine Kommentare

Kommentieren Sie den Artikel