Achtung: Bauherren haften bei Schäden auch ohne Schuld

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Haftung ohne Schuld: Risiko für Bauherren - Finanzvergleich100

Damit Sie beim Hausbau und als Grundstückseigentümer vor Schadensersatzansprüchen geschützt sind, raten Fachleute zum Abschluss einer Bauherrenhaftpflicht.

Auf einen Blick – die wichtigsten Infos

  • Als Bauherr darf von Ihrer Baustelle bzw. Ihrem Gründstück keine Gefahr ausgehen.
  • Sie haften auch bei Ausführungen von Arbeiten durch Dritte.
  • Zu einer Haftung ohne Schuld kann es auch durch Allmählichkeitsschäden kommen.
  • Um vor teuren Schäden abgesichert zu sein empfiehlt sich der Abschluss einer Bauherrenhaftpflicht.

Beim Hausbau ist vieles zu beachten. Der richtige Architekt muss gefunden werden, Bauvorschriften wollen eingehalten sein und der Fortschritt überwacht. Oft wird sogar noch Eigenleistung erbracht. Bei all dem Stress, den ein Hausbau mit sich bringen kann, wird manchmal eines übersehen: der Abschluss einer Bauherrenhaftpflicht, die zu den wichtigsten Versicherungen zählt.

Generell gilt, dass von Ihrer Baustelle – vom Bau ebenso wie vom Grundstück – für niemanden eine Gefahr ausgehen darf. Dies lückenlos zu überwachen dürfte allerdings ein Ding der Unmöglichkeit sein. Deshalb ist es besonders wichtig, sich durch eine Bauherrenhaftpflicht abzusichern.

Haftung ohne Schuld – auch bei Ausführung der Arbeiten durch Dritte

„Eltern haften für Ihre Kinder“, „Betreten der Baustelle verboten“. Diese Schilder sind wohlbekannt, sie anzubringen ist durchaus richtig. Dennoch bewahren sie im Schadensfall den Bauherren nicht davor, für die Folgen aufkommen zu müssen. Sie müssen in so einem Fall nachweisen, dass Sie als Bauherr alles getan haben, um die Baustelle abzusichern. Eine Haftung ohne Schuld liegt unter Umständen auch dann vor, wenn Sie mit diesen Arbeiten eine Firma beauftragt haben. Denn wer Bauarbeiten an Architekt oder Baufirma weitergibt, haftet gesamtschuldnerisch mit diesen, wenn ein Schaden eintritt.

Die Bauherrenhaftpflicht springt ebenfalls ein, wenn Sie beispielsweise Freunden und Bekannten das Grundstück und den Rohbau zeigen wollen und sich dabei einer Ihrer Bekannten verletzt. Haftungsfälle sind beispielsweise ein Sturz auf einer noch nicht ausreichend gesicherten Treppe, eine Verletzung durch Stolpern über Baumaterial oder Beschädigung der Kleidung durch hervorstehende Bauteile.

Bauherren müssen der Verkehrssicherungspflicht nachkommen

Die Verkehrssicherungspflicht, die Sie als Grundstückseigentümer beachten müssen, gilt überall auf Ihrem Grundstück. Sie gilt darüber hinaus auf öffentlichem Grund, beispielsweise, wenn am Straßenrand Baumaschinen oder Baumaterial abgestellt sind und sich dort ein Unfall – etwa durch eingeschränkte Sicht oder umstürzendes Material – ereignet. Bei aller Sorgfalt wird es Ihrem Architekten, der Baufirma oder Ihnen nicht immer gelingen, hier so umfassend Vorsorge zu treffen, dass nicht doch ein Schaden entstehen kann. Für diese Schäden tritt die rechtzeitig von Ihnen abgeschlossene Bauherrenhaftpflicht ein.

Haftung bei Schäden auf dem Nachbargrundstück

Nicht selten kommt es vor, dass während der Bauarbeiten durch Kran oder Bagger Schäden auf dem Nachbargrundstück entstehen: ein eingedrückter Zaun etwa, ein durch den Ausleger beschädigter Baum oder vielleicht sogar ein Schaden am Hausdach Ihres Nachbarn. Hier entsteht für Sie als Bauherr ebenfalls eine Haftung ohne Schuld, Sie werden regresspflichtig, solange nicht dem eigentlichen Verursacher ein schuldhaftes Verhalten nachgewiesen werden kann. Befindet sich Ihr Baugrundstück auf einer heiklen geologischen Stelle, können durch Aushub- und Rüttelarbeiten Risse an Nachbargebäuden entstehen. Hat hier der Bauunternehmer alle Normen und Vorschriften für seine Arbeiten eingehalten, bleiben Sie als Bauherr auf dem Schadensersatz sitzen.

Schadensersatz für Spätfolgen

Zu einer Haftung ohne Schuld kann es ferner durch sogenannte Allmählichkeitsschäden kommen. Oft zeigen sich Absenkungen durch einen beim Bau veränderten Grundwasserspiegel erst nach Monaten oder Jahren. Stauende Feuchtigkeit, die durch den Bau des Hauses auftritt, kann sich gerade an Hanglagen ebenfalls auf dem Grundstück des Nachbarn unangenehm auswirken. Oft werden Beschädigungen an Versorgungsleitungen erst spät bemerkt und die entstehenden Kosten sind deshalb groß.

Denken Sie rechtzeitig auch daran, Ihr gesamtes Versicherungspaket im Zusammenhang mit dem Neubau zu überprüfen. Die Hausratsversicherung muss sicher angepasst werden, eine bestehende Rechtsschutzversicherung um Immobilienschutz ergänzt, und eine Wohngebäudeversicherung empfiehlt sich immer, auch wenn sie keine gesetzliche Vorgabe mehr ist.

Headerbild: ©iStock/shironosov

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